Promillegrenze – Alkohol-Grenzwerte und Folgen für Autofahrer

30. Aug 2016

| Sven

In Deutschland gilt es, bei Alkohol im Straßenverkehr einige Regeln und Grenzwerte zu beachten, denn Promillegrenze ist nicht gleich Promillegrenze. Wir erklären im Detail, was erlaubt ist und wann Konsequenzen drohen. Grundsätzlich empfehlen wir euch natürlich, verantwortungsvoll zu handeln und auf jeglichen Alkoholkonsum zu verzichten, wenn ihr noch Auto, Motorrad oder Fahrrad fahren wollt.

 

Infografik Alkohol am Steuer - Promillegrenze

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Das Wichtigste im Überblick

  • absolutes Alkoholverbot für Fahranfänger, Jugendliche bis 21 Jahre, Taxi- und Busfahrer
  • ab 0,3 Promille drohen Konsequenzen
  • ab 0,5 Promille immer Ordnungswidrigkeit
  • ab 1,1 Promille immer Strafverfahren
  • Alkohol verkleinert das Sichtfeld und macht risikofreudiger
  • Alkohol kann nur über die Leber abgebaut werden (0,1 – 0,2 Promille pro Stunde)

 

0-Promille-Grenze für Fahranfänger und Jugendliche bis 21 Jahre

Für Fahranfänger in der Probezeit oder vor Vollendung des 21. Lebensjahres gilt seit dem 01. August 2007 ein absolutes Alkoholverbot. Die 0-Promille-Grenze geht aus § 24c des Straßenverkehrsgesetzes (StVG) hervor. Hintergrund der strengen Regelung ist die Beobachtung, dass neue und junge Fahrer ohnehin deutlich stärker gefährdet sind, in einen Unfall verwickelt zu werden. Alkohol potenziert die Gefahr und ist daher tabu. Wird man dennoch mit Alkohol am Steuer erwischt, sieht der aktuelle Bußgeldkatalog eine Geldstrafe in Höhe von 250,- EUR sowie einen Punkt in Flensburg vor. Unter Umständen kann der Täter auch zum Besuch eines Verkehrsseminars verpflichtet werden. Die 0,0 Promille gelten ebenfalls für alle Fahrer von Kfz, die einen Personenbeförderungsschein benötigen. Damit sind z.B. alle Taxi- oder Busfahrer gemeint.

 

0,3-Promille-Grenze

Bereits ab einem Grenzwert von 0,3 Promille kann der Alkoholkonsum für den Autofahrer teuer werden. Zwar sieht das StVG noch keine Ordnungswidrigkeit vor, doch der Gesetzgeber spricht bereits vom Autofahren unter Alkoholeinfluss. Bei entsprechenden Ausfallerscheinungen wie z.B. Schlangenlinien, Überfahren roter Ampeln, kein Licht bei Nachtfahrt, geringer Sicherheitsabstand oder riskanten Überholmanövern liegt eine Gefährdung des Straßenverkehrs aufgrund relativer Fahruntüchtigkeit vor. In der Konsequenz ergeben sich drei Punkte im Fahreignungsregister, bis zu 1.500 Euro Bußgeld und Fahrverbot. Schließlich müsst ihr euch insbesondere auch bei einem Unfall auf ein Strafverfahren wegen Gefährdung des Straßenverkehrs und Trunkenheitsfahrt nach den §§ 315b, 315c und 316 StGB einstellen. Hier winken Geld- und sogar Freiheitsstrafen sowie der Entzug der Fahrerlaubnis. Euch sollte ebenfalls bewusst sein, dass ihr im Fall eines Unfalls häufig auch schuldunabhängig Probleme mit der Versicherung bekommt, wenn ein Alkoholwert von über 0,3 Promille gemessen wird. Dann müsst ihr euch nicht nur mit dem Unfallgegner sondern auch mit eurer Versicherung herumärgern.

 

0,5-Promille-Grenze

Alle Konsequenzen, die die 0,3-Promille-Grenze nach sich zieht, gelten selbstverständlich auch ab 0,5 Promille. Hinzu kommt, dass auch ohne alkoholbedingte Ausfallerscheinungen eine Ordnungswidrigkeit vorliegt, die abhängig von der Anzahl der Verstöße folgende Bußgelder und Fahrverbote nach sich zieht.

 

  • 1. Mal: 500 Euro Bußgeld plus 2 Punkte in Flensburg und 1 Monat Fahrverbot
  • 2. Mal: 1000 Euro Bußgeld plus 2 Punkte in Flensburg und 2 Monate Fahrverbot
  • 3. Mal: 1500 Euro Bußgeld plus 3 Punkte in Flensburg und 3 Monate Fahrverbot

Im Wiederholungsfall oder bei festgestelltem Alkoholmissbrauchs bzw. Alkoholabhängigkeit kann eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) angeordnet werden, um die Fahreignung zu klären.

 

1,1-Promille-Grenze

Ab 1,1 Promille Blutalkohol liegt absolute Fahruntüchtigkeit vor. Wer trotzdem hinter dem Lenkrad erwischt wird, muss mit einem Strafverfahren rechnen. Das drohende Bußgeld ist nicht mehr festgeschrieben und wird durch das Gericht bestimmt. Hinzu kommen drei Punkte in der Verkehrssünderkartei, sowie Führerscheinentzug von 6 Monaten bis zu 5 Jahren. Sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu 5 Jahren ist möglich.

 

1,6-Promille-Grenze

Wer mit 1,6 Promille unterwegs ist, besitzt vermutlich nicht das notwendige Verantwortungsbewusstsein, um ein Kfz sicher im Straßenverkehr bewegen zu können. Um diese Eignung festzustellen, wird nach Ablauf der gerichtlich verhängten Sperrfrist immer eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) fällig, eh man sich wieder hinter das Steuer eines Autos setzen darf.

 

Weitere Pflichten des Fahrzeugführers nach § 23 StVO

Als Fahrzeugführer seid ihr für das Gefährt und dessen Sicherheit verantwortlich und müsst dafür Sorge tragen, dass weder die Beladung noch die Besetzung euch beim Fahren beeinträchtigen. Was theoretisch klingt, bedeutet in der Praxis, dass ihr als Fahrer auch für das Verhalten der Mitfahrer verantwortlich seid. Stellt sicher, dass betrunkene Familienangehörige, Freunde und Kollegen angeschnallt sind und keine Körperteile aus den Fenstern halten oder sich auf sonstige Art und Weise gefährden.

 

Fahrrad und Alkohol

Für Fahrradfahrer sind die 0,3-Promille-Grenze und die 1,6-Promille-Grenze wichtig. Analog zu Autofahrern droht auch Radfahrern ab 0,3 Promille ein Strafverfahren, wenn sie durch alkoholbedingte Ausfallerscheinungen den Straßenverkehr gefährden. Eine absolute Fahruntüchtigkeit wie bei Autofahrern ab 1,1 Promille gibt es allerdings für Drahteseljockeys nicht. Ab 1,6 Promille sind die strafrechtlichen Konsequenzen jedoch wieder gleich: 3 Punkte, Geldstrafe, Entzug der Fahrerlaubnis (falls vorhanden) und die Anordnung einer MPU.

 

Champagner

Ein Glas Champagner vor dem Autofahren? Lieber nicht. Bild: Simon Law @flickr.com (CC-BY-SA 2.0)

Wie wirkt Alkohol?

Die Wirkung von Alkohol hängt insbesondere von der Konzentration ab, doch auch Gewicht, Geschlecht oder Gewöhnung spielen eine Rolle. Generell lässt sich festhalten, dass Ethanol hohes Suchtpotential besitzt und über das Blut jeden Teil des Körpers erreicht. Da es die Blutgefäße weitet, stellt sich ein Wärmegefühl ein. Im Gehirn verändert Ethanol die Informationsübertragung zwischen den Neuronen, sodass bereits bei kleinen Mengen eine enthemmende Wirkung eintritt. Je nach Situation kann Alkohol betäubend oder stimulierend wirken. Man wird geselliger und kontaktfreudiger, doch bereits ab 0,1 Promille werden Entfernungen signifikant falsch eingeschätzt. Ab 0,3 Promille beginnt die Sehleistung sich zu vermindern und die Reaktionszeiten steigen spürbar an. Auch die Risikobereitschaft nimmt zu.

 

Mit 0,5 Promille hat ein durchschnittlicher Erwachsener bereits 15% seiner Sehleistung eingebüßt und Geschwindigkeiten werden falsch eingeschätzt. In diesem Stadium steigt in der Regel auch die Aggressivität. Bei 0,8 Promille fällt die Konzentration spürbar schwer und ein typischer Tunnelblick ist die Folge. Dabei verliert der Mensch ca. 25% seines Blickfeldes. Reaktionen erfolgen um 30% bis 50% verlangsamt gegenüber dem Normalzustand und ernste Gleichgewichtsstörungen stellen sich ein. Je nach Gemütslage wird man euphorisch oder aggressiv – in jedem Fall aber enthemmt. Man neigt zur Selbstüberschätzung und fällt einem nüchternen Dritten als deutlich angetrunken auf.

 

Rausch, Betäubung und Lähmung

Mit Überschreiten der 1,0 Promille-Grenze tritt man in das Rauschstadium ein. Die Sehfähigkeit verschlechtert sich weiter und deutliche Sprachstörungen stellen sich ein. Begleitet werden diese Symptome durch Reaktions-, Gleichgewichts- und Orientierungsprobleme. Das kritische Einschätzen von Situationen ist nicht mehr möglich und erste Anzeichen einer Alkoholvergiftung treten auf. Ab 2,0 Promille beginnt das Betäubungsstadium und professionelle Hilfe wird notwendig. Unkontrollierte Bewegungen und Erbrechen sind klare Warnsignale. Es kommt außerdem zur Muskelerschlaffung. Ab 3,0 Promille spricht man vom Lähmungsstadium, wobei die Erschlaffung der Muskeln, das eigene Leben zu gefährden droht. Bewusst- und Reflexlosigkeit, schwache Atmung und Gedächtnisverlust sind Hinweise auf eine akute Alkoholvergiftung. Ohne Hilfe drohen Lähmungen, Koma, Atemstillstand und Tod. (Quelle)

 

Test des Alkoholspiegels

Beim sogenannten „Pusten“ wird der Alkoholgehalt der Atemluft durch die Polizei zunächst mittels entsprechendem Messgerätes festgestellt. Bei hohen Werten oder bei Weigerung kann eine Blutentnahme angeordnet werden, um den genauen Promillewert im Blut zu ermitteln. Der Blutalkoholwert ist bei späteren Strafverfahren der relevante Wert.

 

Wie schnell wird Alkohol abgebaut?

Alkohol im Blut kann nur durch die Leber abgebaut werden, die in einer ersten Phase mittels Enzym Alkoholhydrogenase (ADH1) das Ethanol in Azetaldehyd (Ethanal) oxidiert. Dieser Giftstoff ist für den „Kater“ verantwortlich und wird in einem zweiten Schritt in Essigsäure umgewandelt. Die Essigsäure wird dann durch weitere Eiweiße innerhalb des Citratzyklus‘ in Kohlendioxid und Wasser abgebaut. Die Geschwindigkeit des Prozesses hängt vor allem vom Alter, dem Gewicht und der Größe ab und lässt sich weder durch Power-Naps, saure Gurken oder sonstige Geheimrezepte beschleunigen. Auch „Ausschwitzen“ durch körperliche Betätigung ist nicht möglich. Es hält sich ebenfalls der Mythos, dass Jugendliche Alkohol besser abbauen würden. Doch ihre Leber ist weniger leistungsfähig als die von Erwachsenen. Als grobe Faustregel können Männer durchschnittlich 0,15 Promille pro Stunde abbauen und Frauen ca. 15% weniger (0,13 Promille/h).

“Welche Kosten verursacht ein Auto?”

“Verwarngeld, Bußgeld, Geldstrafe? – Wir klären auf!”

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